Liebe Gemeinde am Karfreitag 2020,

wir möchten zu Ihnen sprechen und mit Ihnen beten:

 „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Eingangslied:* 143,1+3 Jesus, zu Dir …

Karfreitag, 10. April 2020

Auf Grund der „Virus-Krise“ und der damit verbundenen Einschränkungen (wir können den Karfreitag leider nicht zusammen bedenken – bei einem Gottesdienst) möchte ich mich mit einem kurzen Karfreitagstext (es ist der vorgeschlagene Text für diesen Tag) an Sie wenden und Ihnen damit meine herzliche Verbundenheit zum Ausdruck bringen.

Heute am Karfreitag 2020 erfahren wir von einer besonderen Tiefe des Leidens Jesu: Die merkwürdige Ohnmacht, in der sich die Menschen dieser Erde derzeit auf Grund der Infektionswellen durch das „neuartige Corona-Virus“ wiederfinden, hat Jesus auf seinem Weg ans Kreuz erlebt. Die meisten Aktivitäten waren damals und sind jetzt wieder eingestellt.

In den vergangen Wochen habe ich immer wieder via Internet italienischen Ärzte in ihrem Kampf gegen das „Corona-Virus“ erlebt, die sich angesichts der vielen leidenden und sterbenden Patienten, die sie häufig nicht adäquat behandeln konnten (durch vollkommene Überforderung und fehlende Möglichkeiten), in Situationen der Ohnmacht und Verzweiflung wiederfanden – und oft vor Erschöpfung weinten …

Wie war es am Ende der irdischen Zeit Jesu?

Auch Jesus kannte die Verzweiflung angesichts der Kurzsichtigkeit vieler Menschen, auch Jesus weinte …

Jesus wird verhaftet. Als Gefangener steht er vor dem Hohen Rat; er ist der Willkür der Mächtigen ausgeliefert. Nach Geißelungs- und Foltermaßnahmen wird er schließlich zum Tod verurteilt. Auf dem Weg nach Golgatha bricht er zusammen. Dann wird er an den Marterpfahl, an das Kreuz geschlagen. Er kann sich vor Schmerzen nicht mehr bewegen und neben ihm bewegt sich (auch) nichts mehr; die Welt tritt in eine eigentümliche „Ruhephase“ ein – damals wie heute.

Lesung: Joh 18,28-40

Lied:* 171,1+3 Jesus Christus starb für mich …

Wer hat unserer Verkündigung geglaubt? An wem ist der Arm des HERRN offenbar geworden? Er ist wie ein Trieb vor ihm aufgeschossen und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Aussehen, dass wir Gefallen an ihm gefunden hätten. Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, wie einer, vor dem man das Gesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn nicht geachtet. Jedoch unsere Leiden – her hat sie getragen –, und unsere Schmerzen – er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg; aber der HERR ließ ihn treffen unser aller Schuld. Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtung geführt wird und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf. Aus Bedrängnis und Gericht wurde er hinweggenommen. Und wer wird über seine Generation nachsinnen? Jes 53,1-8
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Predigttext: 2 Kor 5,14-21

Der Eifer des Apostels Paulus in der Verkündigung des Evangeliums

14 Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir zu diesem Urteil gekommen sind, dass einer für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind. 15 Und für alle ist er (Jesus) gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern Ihn, der für sie gestorben und auferweckt worden ist. 16 Daher kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch; wenn wir Christus auch nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so. 17 Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Der Dienst der Versöhnung

18 Alles aber von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat, 19 nämlich, dass Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnete und in uns das Wort von der Versöhnung gelegt hat. 20 So sind wir nun Gesandte an Christi statt, indem Gott durch uns ermahnt und ermutigt; wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21 Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

bereits der erste Satz des Karfreitags-Predigttextes ist aufschlussreich:

„Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir zu diesem Urteil gekommen sind, dass einer für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind.“ (2 Kor 5,14)

Der Übergang von dem Leben, das der Mensch für sich selbst lebt, zu dem Leben, das für Christus gelebt wird, entspringt der Überzeugung, dass Christus für alle gestorben ist, und das hat einen unzweifelhaften Grund. Wenn einer (Christus) für alle gestorben ist, dann sind alle, die daran glauben, gestorben.

Was tat Jesus am Kreuz für uns?

Jesus hat unsere gesamte Vergangenheit, unser zielverfehltes Leben von Beginn an, mit in sein Sterben, mit in den Tod genommen.

Damit sagen wir das, was der Apostel Paulus gemeint hat. Wir erkennen (und das ist einzig unsere Entscheidung), dass unsere Untreue, unsere Last an Schulden am Kreuz von Golgatha zu einem Abschluss kam/en und dass dort alles neu begann.

Es kann leicht gelingen, das, was Jesus für uns tat, in großartige Worte zu kleiden, darauf kommt es aber gar nicht an. Unser Glaube an Jesu Handeln am Karfreitag allein entscheidet über Leben und Tod.

Jesus stirbt.

In den Augen der Menschen damals war es die größte Niederlage überhaupt, aber in den Augen Gottes war es das Gegenteil.

In verzweifelter äußerer Ohnmacht und gleichzeitig in innerer (göttlicher) Vollmacht ist Jesus diesen Weg gegangen. Auch heute bin ich persönlich von Jesu Gehorsam und Liebe bis ins Mark hinein bewegt (und auch innerlich erschüttert)!

In seinem inneren „Ja“ zu seinem Vater hat er die Liebe zu uns Menschen durchgehalten bis zu seinem Sterben, bis zu seinem Tod. Er hat unsere Trennung von Gott, unsere Zielverfehlung, unsere Sünde … auf sich genommen und vollständig gesühnt. Das Hindernis der Untreue gibt es nicht mehr. Der Weg zu Gott ist frei. Wer immer seine Sünde bekennt, bereut und Gott um Vergebung bittet, empfängt im Glauben von Ihm die Vergebung.

Mit Blick auf den Karfreitag ist für den Apostel Paulus (und für uns) „Rettender Glaube“ mehr als ein „Urteil“ oder ein rein verstandesmäßiges Fürwahrhalten von Vorstellungen und Ideen.

Der Glaube an Jesu Handel am Karfreitag bedeutet vielmehr, von ganzem Herzen an Christus zu hängen, das, was Er für uns tat, so völlig anzunehmen, dass wir Seine Einstellung gegenüber (der Sünde gegen Gott und damit gegen das Leben) (             ) teilen, Sein Urteil über uns Menschen bejahen und Seinen Tod als das Mittel der Überwindung unseres Todes akzeptieren und in uns zulassen.

Mit unserer Entscheidung für das Leben, das Jesus für uns errang, fließt uns die Gnade Gottes zu, und damit erhalten wir Anteil an Seinen Schutz, an Seine Bewahrung, an Seine (überzeitliche) Liebe und an der Einigkeit Seines Geistes (der Heilige Geist).

Letztlich nehmen wir am Karfreitag unseren Platz neben Christus im Tode ein; in dieser Glaubensverbindung der Treue, der Liebe, der Annahme Seines Wegen (stellvertretend für uns), werden wir umgestaltet – nach dem Willen Gottes: Am Karfreitag sterben wir mit Ihm, und werden daraufhin mit Christus zu einem „Neuen Leben“ auferweckt.

Und dann kommt der Auferstehungstag. Gott hat Seinen Sohn von den Toten auferweckt. Der Tod ist entmachtet. Wir alle, die wir an Jesus Christus glauben, sind berufen zum ewigen Leben.

Jesus ist auferstanden!

Lied:* 181,1+3 Meine Zeit steht in Deinen Händen …

 

Das Vaterunser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute,

und vergib uns unsre Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich,

der Herr lasse sein Antlitz leuchte über dir und sei dir gnädig,

der Herr hebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden.

So segne dich der gütige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 Lied:* 893,1-3 Dein Segen umhülle uns …

 Ihnen allen wünsche ich eine gesegnete Zeit und den Beistand unseres Gottes.

Ihr Pfarrer

© Meinhard Beermann