Reden – das gefährdete Geschenk

Miteinander reden, sich mitteilen können, austauschen ist ein unglaubliches Geschenk.

Das Gespräch, hören und reden ist für uns selbstverständlich. Wie wenig selbstverständlich das ist, wird einem oft erst dann bewusst, wenn die Hörfähigkeit nachlässt, und man bei Gesprächen nachfragen muss und doch nicht versteht, Zusammenhänge nicht mitbekommt.

Viele Menschen sind zudem einsam, leben in einem Einpersonenhaushalt. Da läuft der Fernseher. Es wird geredet, aber niemand redet mit mir persönlich. Niemand fragt, wie es mir geht.

Dann gibt es oft auch Menschen, die sich schwer tun auf andere zu zugehen, Kontakte zu knüpfen. Sie warten bis andere auf sie zugehen, doch da ist die Einsamkeit vorprogrammiert.

Also das Gespräch ist wirklich ein großartiges Geschenk Gottes. Durch Gespräch, durch Austausch ist Nähe, Gemeinschaft möglich, spüre ich Anteilnahme. Wir können durch Gespräch, durch Zuhören einander Verständnis, Wertschätzung, ja Liebe und Zuneigung ausdrücken.

Durch gute Gespräche können wir voneinander lernen, ist Miteinander möglich, auch gemeinsam zu arbeiten, etwas zu bewegen und zu gestalten in unserer Welt.

 

Doch das Gespräch, die Gemeinschaft, das Miteinander ist immer auch gefährdet.

David sagt hier im Psalm 39: Ich habe mir vorgenommen: ich will mich hüten, dass ich nicht sündige mit meiner Zunge.

Interessant – mit unserem Reden können wir sündigen.

Wie geht denn das?  Wie sieht denn das im Alltag aus? 

Immer wieder sind es auch Lapalien, an denen sich ein Streit entzündet.

Die Küche ist nicht aufgeräumt. Jemand hat versprochen, etwas zu erledigen und hat es nicht erledigt. Wir haben einen Termin ausgemacht, und der andere kommt eine ½ Stunde später. Ich bin versetzt worden. Ich habe Erwartungen an den anderen, und er kommt mir nicht entgegen.

Wie schnell können uns Vorwürfen, Anklage über die Lippen kommen, ja sogar Beleidigungen. Wir sagen Dinge, die uns hinterher leid tun, aber sie sind gesagt.

Passiert da Sünde? Ja, Sünde trennt Menschen voneinander, schafft Barrieren, dazu kommt dann Unversöhnlichkeit, nicht vergeben können, sodass Leute gar nicht mehr miteinander reden, sich sogar trennen. Wie tragisch? Sünde hat zerstörerische Auswirkungen.

Hinter vielen Konflikten stehen Bedürfnisse oder Werte, die nicht erfüllt wurden. Beim Küchenproblem die Ordnung, bei der Erledigung, Verlässlichkeit, bei der Verspätung Pünktlichkeit.

Es kann auch Wertschätzung, Liebe, gemeinsame Zeit sein.

Es ist ein Lernprozeß, die eigenen Bedürfnisse kennenzulernen und dem anderen zu sagen. So können wir auch wenn ein Konflikt passiert, einem Streit aus dem Weg gehen und in Zukunft besser miteinander umgehen.

Und dann gibt es da noch da weite Feld, des hinter dem Rücken des anderen zu reden, also negativ, schlecht über den anderen zu reden. Also seinen Ruf zu zerstören.

Ist schlechtes Reden Sünde? Ja, es beeinflusst andere, auch schlecht über diese Person zu denken und auch schlecht zu reden.

Und das zieht Kreise, als wenn man Federn ausstreut, die fliegen überall herum und du kannst sie nicht wieder einfangen.

Wo fängt eigentlich schlecht reden an? 

Ich nehme etwas am anderen wahr – an seiner Persönlichkeit, seiner Art, seinem Verhalten. Ich mache mir meine Gedanken über den andern und ich bewerte sein Persönlichkeit, seine Art, seine Verhalten. Und der Maßstab  – bin ich.

Schau wie die oder der sich anzieht, das ist zu freizügig, zu altmodisch. Wir machen uns unsere Gedanken – bewerten – der oder die ist so und so, wir kommen zugleich ins abwerten hinein und irgendwann reden wir mit anderen darüber, was wir gesehen haben, wie wir darüber denken und ziehen den da mit hinein.

 

Ich ertappe mich immer wieder beim Bewerten, ihr euch auch.

Was kann ich anders machen?

Ich kann etwas wahrnehmen – hören oder sehen an anderen Menschen; wenn ich mich beim bewerten ertappe, sage ich stopp.

Ich will das stehen lassen. Ich will den anderen stehen lassen.

Und wenn es etwas gibt, was mich verletzt, oder wo ich eine andere Sicht habe, dann besprich es doch mit dem anderen, rede vorne herum.

Damit wir andere nicht verletzten, damit wir nicht in eine zerstörerische Kommunikation hineinrutschen, können wir es durch 3 Siebe geben.

Im Eph.brief 4,29 sagt Paulus: Lasst kein faules, schlechtes oder hässliches Wort aus eurem Mund kommen, sondern redet, was gut ist, was aufbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.

Sapros, das griech. Wort das hier steht, bedeutet zunächst faul – für faule Fische, faule Früchte, morsche Bäume, dann auch schlecht und hässlich.

Faul heißt doch – da ist etwas in Verwesung übergegangen, ein Zerstörungsprozess, ein Todesprozess.

Also wir sollen nichts reden, was Zerstörung bzw. den Tod bringt.

Das stimmt doch ziemlich nachdenken. Also ich soll aufpassen, dass ich nichts sage, was Zerstörung bzw. den Tod bringt.

Was ich sage, soll das Leben bringen. Jesus Christus ist das Leben, deshalb soll alles, was wir sagen: Leben bringen.

Deshalb sollen wir alles, was wir  sagen, bevor wir es sagen, durch 3 Siebe geben, also prüfen:

  • Ist das, was ich sage gut?

Vorwürfe, Anklagen, Bewertungen, persönliche Spitzen, Ironie, Rufmord. All das ist nicht gut, es ist zerstörend, da kommt der Tod aus meinem Mund.

Gut ist es, wenn ich einem anderen lobe, ihm danke.  Gut ist es, wenn ich meine Bedürfnisse sage und was ich von dem anderen konkret brauche. Gut ist es, wenn ich mit einem anderen direkt rede. Ich habe ein Anliegen, das würde ich gerne mit dir besprechen.

  • Ist das, was ich sage aufbauend?

Rede ich ermutigend, sodass der andere seinen Blick auf Gott richten kann.

Humor, Witz hat etwas, andere zum Lachen, bringen. Lachen tut gut, wenn es aufbauend ist und nicht auf Kosten anderer geht.

Aufbauend meint auch, fördern wir uns durch das, was wir reden gegenseitig oder ziehen wir uns runter.

  • Ist das, was ich sage notwendig?

Wendet, das was ich sage, eine Not, muss ich das überhaupt sagen? Stelle ich mich dadurch nur in den Mittelpunkt, will anerkannt werden, Beifall einheimsen. Manchmal ist es auch notwendig zu reden. Die wäre die andere Gefahr, wir vermeiden, gehen einem Konflkt aus dem Weg, der schwelt. Dieser Konflikt muss angesprochen werden, aber in guter Weise und aufbauend, dass der Konflikt gelöst wird.

Wenn wir die 3 Siebe anwenden, dann leben wir gute Gespräche, dann wird Gemeinschaft erhalten oder gefördert.

Doch um es umsetzen zu können, brauchen wir den Heiligen Geist. Der uns hellhörig macht, wo wir in eine Falle tappen, ins Bewerten und Abwerten hineinrutschen. Dass wir dann stoppen und Gespräche führen,  die gut und abbauend sind.

 

Erhard Lieberknecht

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