In Krisen Gott erleben – aber wie?

Es vergeht kein Tag, wo in den Medien nicht das Stichwort Krise fällt. Bankenkrise, Eurokrise, Wirtschaftskrise. Nahostkrise
Eine Krise ist eine problematische, mit einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation.
Wir haben in den vergangenen Monaten schon so viel von der Krise gehört, dass wir uns inzwischen schon daran gewöhnt haben, das heißt sogar schon weghören, oder wegschalten, was sicher nicht gut ist. Denn wir sollten wach das Zeitgeschehen wahrnehmen, wach in unserer Beziehung zu Gott sein.
Wenn eine Krise uns in unserem eigenen Leben trifft und betrifft, dann sollten wir nicht weghören oder wegschalten; wir können es oft auch gar nicht, wenn eine Krankheit, ein Todesfall, Arbeitslosigkeit, finanzielle Sorgen uns belasten.
Menschen der Bibel sind – auch was Krisen angeht – unsere Zeitgenossen. Wir schauen in ihrer Lebensgeschichte oft in einen Spiegel, aber entdecken auch die Wirklichkeit Gottes.

1.Die Krise  
Abraham, der Stammvater des Volkes Israel hatte eine Gottesbegegnung, die sein Leben veränderte. Gott hat ihn aus seiner Heimat ins Land Kanaan gerufen. Er hat versprochen ihn zu segnen und zum Segen zu setzen. Aus seinen Nachkommen sollte ein großes Volk, das Volk Gottes werden, ein Segen für alle Völkern. Diesem Volk sollte das Land Kanaan gehören.
Abraham hört auf Gott, er zieht ins das Volk Kanaan. Er führt eine lebendige Beziehung zu Gott. Er baut einen Altar. Er redet mit Gott und er gibt auch seinen Glauben weiter.
Und dann lebte in er in Glück und Freude im Segen Gottes bis an sein Lebensende. So enden Märchen.
In der Abrahamsgeschichte geht es anders weiter:
Es kam aber eine Hungersnot in das Land.
Hunger ist eine Grunderfahrung menschlicher Not bis heute. Das Altes Testament berichtet häufig von Dürre und Hungersnot.
Also Abraham lebt im verheißenen Land und dennoch ist seine Existenz bedroht, die Zukunft in Frage gestellt. Also Abraham befindet sich in einer Krise.
Die Bibel nennt das auch Anfechtung, Versuchung – das heißt für einen Menschen, der mit Gott lebt – kann eine Krise auch zur Glaubenskrise werden.  Krise wird in der chin.Sprache mit 2 Schriftzeichen ausgedrückt – das eine Zeichen für Gefahr und das zweite Zeichen für wichtiger Zeitpunkt oder Chance.
In einer Krise lauert auch eine Gefahr – den Glauben, die Beziehung zu Gott zu verlieren, Entscheidungen ohne Gott zu treffen, Lebenswege ohne Gott zu gehen, zu versagen.

2.Die Gefahr
Es kam aber eine Hungersnot in das Land, das ist die Krise. Nun ist die Frage, wie reagiert Abraham, welche Entscheidungen trifft er nun.
Abraham verlässt Kanaan und zieht nach Ägypten, in die Kornkammer des Altertums, um als Fremder zu überleben.

a. In seiner Existensangst wendet er sich nicht an Gott und bespricht die Krise mit ihm und bittet ihn, was er tun soll.
Nein, er handelt einfach. Er hat Angst im verheißenen Land zu verhungern. Mit einem Mal ist sein Vertrauen in den lebendigen Gott weg.
Er ist von Kleinglauben befallen und steckt Sarah und die ganze Familie damit an, denn alle machen sich mit ihm auf den Weg nach Ägypten.
Das ist genau der Punkt der Anfechtung – sie will uns von Gott trennen.
In der Krise ist es so wichtig auf Gott, auf Jesus zu hören; seine Stimme hören, was sagt er uns. Bei ihm Vertrauen tanken, Zuversicht, Gelassenheit und um sein Eingreifen bitten, um den so nötigen Regen. Wir dürfen ruhig auch fragen, was willst du mir mit dieser Situation sagen, wo  brauche ich eine neue Hinwendung zu dir.
Wir haben gefragt, wie reagiert Abraham – erstens mit Kleinglaube, statt mit Glauben und Vertrauen.

b.Die Existenzangst Abrahams vertieft sich. Sie verleitet ihn zu einer Halbwahrheit, zu einer Lüge.
Auf dem Weg nach Ägypten kommt ihm der nächste Gedanke. Sarah ist eine Schönheit. Pharao könnte ihn töten, um Sarah zu seiner Frau zu machen. Da waren Herrscher damals nicht zimperlich.
Abraham hat eine Idee: Sara soll sagen, sie ist seine Schwester. Das war eine Halbwahrheit. Er log nicht, aber er sagte auch nicht die Wahrheit. Sie hatten den Vater gemeinsam, aber nicht die Mutter. Aber dennoch war die Halbwahrheit ein glatte Lüge, denn Abraham war mit Sara verheiratet.
Abraham spielt mit seiner Schwestergeschichte auf Zeit, auf Verhandlungen. Aber es kommt anders – Sara kommt aufgrund von Saras Aussage sofort in den Harem des Pharao.
Aus Existenzangst und egoistischen Gründen „Damit es mir gut geht und ich am Leben bleibe“ hat Abraham seine eigene Frau mit einer Lüge preisgegeben.
Wie konnte das passieren?
Abraham hat Gott vergessen, er hat den Segen vergessen, er hat seine Berufung vergessen. Wie können wir Menschen so schrecklich vergesslich sein. Doch bin ich, sind wir so viel anders als Abraham. Kann es uns nicht genauso gehen, dass wir Gott vergessen, und Dinge tun, die uns hinter leid tun.

3.Die Rettung 
Abraham hat den lebendigen Gott vergessen. Aber welch ein Gott ist Jahwe, welch ein Gott ist Jesus Christus!
Gott hat Abraham nicht vergessen, er vergisst auch dich nicht.
Trotz des Versagens von Abraham ist er gnädig, bleibt er dem Abraham und seiner Familie zugewandt.
Er greift ein. Wo alle Pläne Abrahams gescheitert sind, wo sein Kleinglaube und Unglaube in die Sackgasse geführt hat,  greift Gott ein, sagt Gott: „Stopp.“
Er stoppt den Pharao durch Krankheiten, die ihn und sein ganzes Haus treffen. Er macht ihm klar, da passiert Unrecht. Sarah geschieht Unrecht.
Er stoppt nicht nur Pharao, er stoppt nicht nur die Sünde.
In diesem ganzen Geschehen zeigt Gott sein Wesen: Seine Gnade, seine Liebe und seine Treue. Auf die Verheißungen, auf die Zusagen Gottes sind 100% Verlass. Gott bleibt dabei: Ich will dich segnen. Ich schenke dir einen Sohn, ich schenke Israel das Land. Gott ist treu. Wie schnell vergessen wir die Treue Gottes. Aber die Bibel sagt: Sind wir untreu, so bleibt Gott doch treu. (2.Tim.2,13)
Gott ist treu, auf seine Zusagen sind Verlass. Was heißt das?
Er hat Sara bewahrt, dann hätte er Abraham und seine ganze Familie auch in der Hungersnot bewahrt.
Eine Krise muss nicht zur Anfechtung werden, wenn wir sorgsam auf Gottes Stimme hören und ihm vertrauen.

4.Die Umkehr
Gott hat eingegriffen, aber er konnte Abraham nicht die Folgen seines Unglaubens abnehmen. Abraham, der Fürst Gottes, muss sich die Vorwürfe des Pharao anhören, die Demütigung über sich ergehen lassen: Da nimm deine Frau und geh. Und schließlich wird er an die Grenze Ägyptens eskortiert nach dem Motto: Lass dich nicht mehr hier blicken. Das ist alles sehr demütigend für Abraham.
Und Abraham, da ist er uns wieder ein Vorbild, er nimmt die Demütigung an. Er steht dazu.
Und zugleich kehrt er um. Abraham kehrt wieder nach Kanaan zurück, nicht irgendwohin, sondern nach Bethel, wo er Gott einen Altar gebaut hatte.
Abraham ruft den Namen Jahwes an, er kehrt um zu Gott.
Er bekennt Gott seine Eigenmächtigkeit, seinen Kleinglauben, seinen Ungehorsam, seine Lüge, seinen falschen Weg.
Nirgends sind wir Gott näher, als da wo wir zu ihm umkehren, wo wir wieder heimkehren zu ihm, zu seiner Liebe, an sein Vaterherz.
Und das ist total notwendig, denn die nächste Herausforderung wartet schon auf Abraham. Menschen mit Gott sind nie ohne Herausforderungen. Aber Abraham meistert die nächste Herausforderung im Vertrauen zu seinem Gott.

                  Pfr.Lic.Erhard Lieberknecht
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