„Dauerbrenner“

Unsere heutige Zeit ist geprägt von Unübersichtlichkeit und Veränderungen in relativ kurzer Zeit. Dies bewirkt Verunsicherung.    Deshalb träumen viele Menschen heute von der Liebe fürs Leben und halten Treue für eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine glückliche Partnerschaft.  Andererseits reiben sich Paare an ihren ständigen Konflikten wund – bis hin zur Scheidung. Was steckt dahinter?
Dein Mann, deine Frau – das unbekannte Wesen   
Wenn sich Menschen verlieben, besteht ein Teil der Verliebtheit darin, dass sie sich einander sehr vertraut fühlen. Es  gibt ähnliche Erfahrungen, gemeinsame Lebenseinstellungen, eine Ergänzung, die fasziniert. In der Verliebtheit entdecken und erfassen wir, was vom anderen zu uns passt, das andere blenden wir aus. Das lässt sich im Alltag jedoch nicht durchhalten. Vieles am anderen ist neu, fremd, ja befremdlich. Der eine lässt Pfannen und Töpfe nach dem Abwasch stehen und trocknen, der andere räumt sie sofort weg. Zwei Wege mit Dingen umzugehen. – Friedrich und Gerlinde sind ein Paar. Beide sehr unterschiedlich in ihrer Persönlichkeit.  Sie lebendig, sprudelnd, aktiv und initiativ, er bedächtig, zurückhaltend und ruhig.  Der Alltag wird immer konflikthafter, ständig reiben sie sich  an ihren „Dauerbrenner“ wund. Sie fühlt sich von ihm hängengelassen, er fühlt sich ihr gegenüber unfähig und abgeurteilt.  Beide haben eine unterschiedliche Einstellung zur Wirklichkeit. Sie ist auf praktisches Tun ausgerichtet, er eher ein Denk – Typ.  Sie versuchen einander zu verstehen, aber es gelingt nur fallweise. Sie brauchen noch ein tieferes Verständnis füreinander.

Das Kind im anderen kennen lernen 
Gerlinde ist in einer instabilen Familie aufgewachsen. Die Mutter war  ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Gerlinde musste ständig auf der Hut sein, um alles unter Kontrolle zu haben. Friedrich kommt aus einer Familie, wo er als Sohn der Mutter die fehlende Geborgenheit  des Ehemannes geben sollte. Er war vollständig überfordert.  Seine von ihm enttäuschte Mutter wertete ihn ständig ab.   Als Friedrich und Gerlinde, das in einer Beratung besprechen, erfassen sie die gegenseitige Not, die sie als Kind erlebt haben.  Zugleich entdecken sie, dass sie genau diese Erfahrungen in ihrer Beziehung wiederholen. Friedrich erkennt, dass er durch sein Aufschieben von Aufgaben Gerlinde das Gefühl vermittelt, dass sie sich nicht auf ihn verlassen kann und dadurch ihre Kontrolle auslöst.  Gerlinde wird deutlich, dass sie durch ihre aggressiven Vorwürfe dieselbe Resignation und Passivität hervorruft,  die er damals bei seiner Mutter erlebt hat.  Es entstand bei Friedrich und Gerlinde nicht nur ein  tieferes Verständnis füreinander, sondern sogar Liebe  und Mitgefühl für die Verletzung des anderen.

Innere Heilung
Die Verletzungen, die Friedrich und Gerlinde in ihrer Kindheit erleben haben, brauchen Heilung.  Wie geschieht das ? Gottes Liebe will in ihren Schmerz kommen.  Er will uns spüren lassen, wir gern er uns hat, denn wir sind seine großartige Idee und seine Geschöpfe. Er will mit uns reden und sagen, dass er da ist, für uns sorgt  und wir bei ihm aufatmen dürfen.  Die Liebe Gottes schafft eine innere Sicherheit und Geborgenheit.

Miteinander unterwegs
Zwei von Gott geliebte Menschen dürfen nun schrittweise lernen, anders mit dem Partner umzugehen. Gerlinde darf lernen Friedrich Vertrauen entgegenzubringen, ihm Zeit zu lassen. Friedrich darf Aufgaben eher angehen, um so zu zeigen, dass Gerlinde ihm wichtig ist.
Dauerbrenner können also entschärft werden, wenn wir bereit werden, die Hintergründe näher anzuschauen und uns auf einen Prozess der Heilung einzulassen.

© Erhard Lieberknecht

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